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Brauereien Baden-Württemberg 2026

Von Sebastian Müller, Branchenexperte

Baden-Württemberg produziert rund 1.000 verschiedene Biersorten aus mehr als 200 Braustätten. Das Bundesland nimmt damit nach Bayern den zweiten Platz bei der Brauereidichte ein. Die erste Bierurkunde

Brauereien Baden-Württemberg: Die wichtigsten Betriebe im Ranking 2026
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Wichtige Fakten

  • Rund 208 Braustätten sind in Baden-Württemberg aktiv, verteilt auf Großbrauereien, Familienbrauereien, Klosterbrauereien und Craft-Beer-Betriebe.
  • Der Bierausstoß lag 2021 bei 5,61 Millionen Hektoliter, ein Rückgang von 36,6 Prozent gegenüber den 9,1 Millionen Hektoliter Mitte der 1990er Jahre.
  • Baden-Württemberg besitzt die zweitgrößte Brauereidichte Deutschlands nach Bayern, belegt beim Bierausstoß aber nur Platz sechs.
  • Stuttgart, Ehingen und Karlsruhe zählen mit jeweils fünf Braustätten zu den Städten mit der höchsten Konzentration.
  • Pilsener dominiert mit rund 40 Prozent Marktanteil, Helles wächst als Sorte am stärksten.
  • Die Badische Staatsbrauerei Rothaus investiert 40 Millionen Euro in Klimapositivität bis 2030, unter anderem in eine E-Lkw-Flotte und 9.000 Quadratmeter Photovoltaik.

Brauereien in Baden-Württemberg: Markt im Überblick

Baden-Württemberg produziert rund 1.000 verschiedene Biersorten aus mehr als 200 Braustätten. Das Bundesland nimmt damit nach Bayern den zweiten Platz bei der Brauereidichte ein. Die erste Bierurkunde der Welt stellte das Kloster Weißenburg 764 in Geisingen an der Donau aus. Diese Brautradition reicht über zwölf Jahrhunderte zurück.

Kleine und mittlere Betriebe prägen den Markt. Großbrauereien wie Stuttgarter Hofbräu und Fürstenberg gehören zu internationalen Gruppen, während Familienbrauereien wie Dinkelacker, Berg Brauerei und Alpirsbacher Klosterbräu ihre Eigenständigkeit bewahren. Handwerkliches Bierbrauen zählt seit 2020 zum Immateriellen Kulturerbe Deutschlands.

Sieben Bierregionen strukturieren das Bundesland. Der Schwarzwald lockt mit Rothaus und Waldhaus. Oberschwaben und das Donaubergland gelten als historisches Bierland. Die Schwäbische Alb bietet mit der Bierkulturstadt Ehingen fünf Braustätten auf engstem Raum. Im Rhein-Neckar-Gebiet dominiert Eichbaum aus Mannheim. Stuttgart beheimatet Dinkelacker und Stuttgarter Hofbräu, Karlsruhe punktet mit Hoepfner und Moninger. Die Bodensee-Region profitiert vom Hopfenanbaugebiet Tettnang, dem drittgrößten Deutschlands mit besonders hochwertigem Aromahopfen.

Vergleichstabelle der führenden Betriebe

Die folgende Tabelle zeigt die wichtigsten Braustätten des Bundeslandes, sortiert nach verfügbaren Erlösen und Marktbedeutung. Für die Mehrheit der Firmen liegen keine öffentlichen Umsatzzahlen vor, daher entfällt eine durchgehende Umsatzspalte.

Unternehmen Umsatz Branche Firmensitz Rechtsform
Badische Staatsbrauerei Rothaus 77,66 Mio. € (2018) Bierbrauerei, Whisky Grafenhausen-Rothaus AG (100 % Landesbesitz)
Waldhaus-Brauerei 13 Mio. € (2021) Bierbrauerei Weilheim (Waldhaus) GmbH
Privatbrauerei Eichbaum Bierbrauerei Mannheim GmbH
Dinkelacker-Schwaben Bräu Bierbrauerei Stuttgart GmbH & Co. KG
Stuttgarter Hofbräu Bierbrauerei Stuttgart AG (Radeberger/Oetker)
Fürstlich Fürstenbergische Brauerei Bierbrauerei Donaueschingen KG (Paulaner Gruppe)
Alpirsbacher Klosterbräu Bierbrauerei Alpirsbach GmbH & Co.
Privatbrauerei Hoepfner Bierbrauerei Karlsruhe GmbH & Co. KG (Paulaner)
Brauerei Gold Ochsen Bierbrauerei Ulm GmbH
Berg Brauerei Ulrich Zimmermann Bierbrauerei (Bio) Ehingen (Berg) GmbH & Co. KG
Hirsch-Brauerei Honer Bierbrauerei Wurmlingen GmbH & Co. KG
Zwiefalter Klosterbräu Bierbrauerei Zwiefalten OHG
Brauerei Moninger Bierbrauerei Karlsruhe AG
Welde Brauhaus Bierbrauerei Plankstadt GmbH & Co. KG

Rothaus führt mit 77,66 Millionen Euro Jahresumsatz die Betriebe mit veröffentlichten Zahlen an. Eichbaum gilt als absatzstärkste Brauerei des Bundeslandes. Stuttgarter Hofbräu erreicht im Handel 5,8 Prozent Marktanteil, gefolgt von Rothaus mit 5,2 Prozent.

Top-Empfehlungen nach Kategorie

  • Größter Umsatz: Badische Staatsbrauerei Rothaus, 77,66 Mio. Euro Erlöse (2018) und 40 Mio. Euro Investitionsplan für Klimapositivität
  • Absatzstärkste Brauerei: Privatbrauerei Eichbaum, ältestes Industrieunternehmen Mannheims, DLG-Gold für Ureich Premium Pils
  • Marktführer im Handel: Stuttgarter Hofbräu, 5,8 Prozent Marktanteil im baden-württembergischen Einzelhandel
  • Älteste Brauerei: Fürstlich Fürstenbergische Brauerei, Brauprivileg seit 1283, ältester Braubetrieb des Bundeslandes
  • Hidden Champion: Waldhaus-Brauerei, dynamisches Wachstum auf 101.230 Hektoliter (2021) bei 13 Mio. Euro Umsatz
  • Innovationsführer: Berg Brauerei Ulrich Zimmermann, Sieger beste Craft-Bier-Kleinbrauerei Deutschlands 2020, Bio-Biere aus regionaler Braugerste
  • Beste Erlebnisgastronomie: Zwiefalter Klosterbräu, Bierhimmel-Konzept mit Schaubrauerei, Hofladen und Biergarten im Biosphärengebiet Schwäbische Alb
  • Stärkstes Nachhaltigkeitskonzept: Rothaus mit E-Lkw-Flotte (eActros 400), 9.000 m² Photovoltaik und dem Ziel der Klimapositivität bis 2030

Die Top-14 Betriebe im Porträt

Badische Staatsbrauerei Rothaus

Die einzige Staatsbrauerei Baden-Württembergs gehört zu 100 Prozent dem Land und erwirtschaftete 2018 Erlöse von 77,66 Millionen Euro. Ihr Flaggschiff Tannenzäpfle hat sich zur Kultmarke weit über den Schwarzwald hinaus entwickelt. Auf 1.000 Metern Höhe im Hochschwarzwald gelegen, gilt Rothaus als die höchstgelegene Brauerei Deutschlands.

Der Betrieb braut seit 1791 und umfasst inzwischen eine Whisky-Brennerei, ein Hotel und eine GenussWelt. Mit einem Investitionsplan von 40 Millionen Euro strebt Rothaus bis 2030 Klimapositivität an. Die Firma setzt dabei auf eine eActros-400-E-Lkw-Flotte und 9.000 Quadratmeter Photovoltaik. 2020 lieferte Rothaus 8,5 Millionen Euro Erträge an die Landeskasse.

Privatbrauerei Eichbaum

Als absatzstärkste Brauerei des Bundeslandes versorgt Eichbaum den regionalen Markt und produziert Handelsmarken für den Lebensmitteleinzelhandel. Die Eigentümergeschichte ist für Marktforscher aufschlussreich: Henninger übernahm 1970, danach folgten die März-Gruppe und Actris. Per Management-Buy-out kehrte die Gesellschaft 2009 in private Hände zurück.

Das 1679 gegründete Haus ist zugleich das älteste Industrieunternehmen Mannheims. Neben dem DLG-Gold-prämierten Ureich Premium Pils gehören die Malzdrink-Marke Karamalz und ein breites Sortiment alkoholfreier Biere zum Portfolio.

Dinkelacker-Schwaben Bräu

Stuttgarts größte Familienbrauerei vereint unter einem Dach die Marken Dinkelacker, Schwaben Bräu, Wulle, Sanwald, Cluss und Haigerlocher. Carl Dinkelacker gründete den Betrieb 1888, die Fusion mit Schwaben Bräu folgte 1994. Nach der Übernahme durch Interbrew/InBev (2003 über Spaten-Franziskaner) gelang die Rückführung in Familienbesitz.

Die 2008 wiederbelebte Retromarke Wulle hat sich seitdem vor allem bei jüngeren Konsumenten etabliert. Saisonale Spezialitäten wie das Volksfestbier zum Cannstatter Wasen (3,5 Mio. Besucher) stärken die regionale Verankerung.

Stuttgarter Hofbräu

Keine andere Brauerei des Bundeslandes erreicht im Einzelhandel einen höheren Marktanteil: 5,8 Prozent entfallen auf Stuttgarter Hofbräu. Als Tochter der Radeberger Gruppe (Oetker-Konzern) profitiert der Betrieb von Konzernstrukturen und pflegt gleichzeitig sein lokales Profil. Seit 2020 fungiert Stuttgarter Hofbräu als offizieller Bierpartner des VfB Stuttgart.

Die Braugeschichte reicht bis 1591 zurück. Das Stuttgarter Rössle im Logo unterstreicht die Verbindung zur Landeshauptstadt. Für B2B-Einkäufer in der Gastronomie bietet die Anbindung an die Radeberger Gruppe logistische Vorteile.

Fürstlich Fürstenbergische Brauerei

König Rudolf I. von Habsburg verlieh 1283 das Brauprivileg. Damit ist Fürstenberg der älteste Braubetrieb des Bundeslandes. Seit 2005 gehört die Firma zur Paulaner Brauerei Gruppe. Historisch diente Fürstenberg als Tafelgetränk Kaiser Wilhelms II. und exportierte ab 1868 in die Schweiz und nach Frankreich.

Als erste Brauerei der deutschen Brauwirtschaft erwarb Fürstenberg die ISO-9001-Zertifizierung und ein Öko-Audit. Das Brauwerk in Donaueschingen bietet eine Schaubrauerei. Auf dem Cannstatter Wasen ist Fürstenberg die einzige badische Brauerei mit eigenem Festzelt.

Alpirsbacher Klosterbräu

Familie Glauner braut in vierter Generation rund 200.000 Hektoliter pro Jahr zwischen den Wäldern des Nordschwarzwalds. Die klösterliche Brautradition reicht bis ins 11. Jahrhundert zurück. Alpirsbacher Klosterbräu erwirtschaftet 35 Prozent der Einnahmen durch Gastronomie und Veranstaltungen, darunter tägliche Brauereiführungen und ein Brauereimuseum.

Konzernunabhängigkeit ist für die Firma kein Lippenbekenntnis: Die Gesellschaft lehnt Beteiligungen großer Gruppen bewusst ab. Jobsuchende finden hier einen Arbeitgeber, der Langfristigkeit über schnelles Wachstum stellt.

Berg Brauerei Ulrich Zimmermann

Die beste Craft-Bier-Kleinbrauerei Deutschlands 2020 braut seit 1466 in Ehingen (Berg), aktuell in der zehnten Generation der Familie Zimmermann. Das Alleinstellungsmerkmal ist die offene Bottich-Gärung, ein seltenes und aufwendiges Brauverfahren.

Zwölf ganzjährige und sechs saisonale Sorten umfasst das Sortiment. Darunter finden sich Bio-Biere wie das Schäfleshimmel aus regionaler Braugerste. Einkäufer im Bereich Bio-Gastronomie gewinnen hier einen Partner mit konsequent regionalem Rohstoffbezug.

Privatbrauerei Hoepfner

Karlsruhes Bier-Flaggschiff und fester Bestandteil der lokalen Genusskultur braut in der historischen Hoepfner Burg. Seit 2005 gehört die Privatbrauerei zur Paulaner Gruppe. Das Sortiment verbindet regionale Klassiker wie Kräusen und Goldknöpfle mit innovativen Produkten: Die Hopfenlimonade HoLi erschließt Zielgruppen jenseits des klassischen Biertrinkers.

Brauereibesichtigungen in der denkmalgeschützten Burg ziehen Besucher und Firmengruppen gleichermaßen an. Für Vertriebsprofis im Getränkehandel bietet Hoepfner durch die Paulaner-Anbindung eine verlässliche Lieferkette.

Brauerei Gold Ochsen

"Ulms flüssiges Gold" nennt Gold Ochsen das eigene Produkt, und die Belegschaft braut es seit 1597 privat und inhabergeführt. Neben den Klassikern bietet der Betrieb das Oxx-Lagerbier und wechselnde Jahrgangs-Bockbiere an.

Über 425 Jahre Brautradition machen Gold Ochsen zu einer der ältesten Privatbrauereien der Region. In der Bierstadt Ulm, die vier Braustätten beheimatet, nimmt Gold Ochsen als größte Firma eine Leitfunktion ein.

Waldhaus-Brauerei

Mit 101.230 Hektoliter Ausstoß und 13 Millionen Euro Umsatz (2021) zählt Waldhaus zu den am schnellsten wachsenden Braustätten des Bundeslandes. Die Strategie: konsequente regionale Positionierung unter Brauereichef Dieter Schmid als Markenbotschafter. Im Naturpark Südschwarzwald gelegen, strebt Waldhaus bis 2030 Klimaneutralität an.

Für Vertriebsprofis zeigt Waldhaus, wie regionale Verwurzelung gegen nationale Premium-Marken bestehen kann.

Hirsch-Brauerei Honer

Einer der erfolgreichsten inhabergeführten Mittelständler im Donaubergland braut seit 1782 in Wurmlingen. Die Hirsch-Brauerei Honer ist verlässlicher Partner der heimischen Gastronomie und fest in der Region verankert.

Gegen die Konsolidierung im Brauereimarkt behauptet sich Honer als eigenständiger Konzern. Gastronomen in Oberschwaben und auf der Schwäbischen Alb finden hier regionale Authentizität, die Konzernbrauereien schwer nachahmen können.

Zwiefalter Klosterbräu

Das Bierhimmel-Konzept verbindet Schaubrauerei, Hofladen und Biergarten zu einem Ausflugsziel im Biosphärengebiet Schwäbische Alb. Die Klosterbrauerei operiert als OHG und bedient mit Sorten von Märzen bis Alkoholfrei ein breites Spektrum.

Für B2B-Partner im Tourismus ist Zwiefalter ein attraktiver Kooperationspartner. Die Verbindung aus Brautradition und Erlebnisgastronomie generiert stabile Besucherströme.

Brauerei Moninger

Moninger konkurriert in Karlsruhe mit Hoepfner und der Wolf Brauerei um regionale Marktanteile. Als AG organisiert, unterscheidet sich Moninger strukturell von den vielen GmbH-Betrieben des Bundeslandes.

Für Marktforscher bietet Karlsruhe mit fünf Braustätten einen aufschlussreichen Mikrokosmos für die Wettbewerbsdynamik regionaler Biermärkte.

Welde Brauhaus

Aus Plankstadt im Rhein-Neckar-Gebiet bedient Welde als GmbH & Co. KG die Region zwischen Mannheim und Heidelberg. Die Brauerei ergänzt den Markt der Metropolregion Rhein-Neckar neben dem deutlich größeren Betrieb Eichbaum.

Welde spricht Konsumenten an, die regionale Alternativen zu den absatzstarken Großbrauereien suchen.

Branchentrends und Marktentwicklung

Brauereisterben und Neugründungen im Gleichgewicht

Baden-Württemberg verlor in 25 Jahren 36,6 Prozent des Bierausstoß-Volumens. Große Betriebe büßten allein 3,35 Millionen Hektoliter ein. Gleichzeitig stieg die Zahl der Braustätten von 173 (1996) auf 208 (2020).

Kleine Firmen, Gasthausbrauereien und Mikrobrauereien kompensieren das Schrumpfen der Großen. In Ehingen, der Bierkulturstadt seit 2009, brauen fünf Betriebe über 50 Biersorten. Alle sind inhabergeführt und unabhängig.

Alkoholfrei und Helles als Wachstumstreiber

Pilsener hält mit rund 40 Prozent den größten Marktanteil in der Region. Helles wächst allerdings am stärksten: 74 Prozent aller Helles-Biere in Deutschland verkaufen sich in Baden-Württemberg und Bayern. Alle großen Braustätten des Bundeslandes führen alkoholfreie Varianten. Berg Brauerei bietet mit Cyriakus ein alkoholfreies Naturtrübes, Rothaus hat die Produktlinie Alkoholfrei Hefe Weizen etabliert.

Nachhaltigkeit als Investitionsschwerpunkt

Rothaus investiert 40 Millionen Euro in Klimapositivität bis 2030, darunter eine eActros-400-E-Lkw-Flotte und großflächige Photovoltaik. Waldhaus strebt ebenfalls Klimaneutralität bis 2030 an. Fürstenberg war die erste Brauerei der deutschen Brauwirtschaft mit Öko-Audit-Zertifizierung.

Berg Brauerei setzt auf Bio-Braugerste aus der Region. Im Ergebnis entwickeln sich grüne Strategien zum Wettbewerbsvorteil bei umweltbewussten Konsumenten und im Gastro-Einkauf.

Brauereitourismus und Erlebnisgastronomie

Bierwanderwege wie der Zäpfle-Weg am Schluchsee locken Besucher in den Schwarzwald. Braukurse bei der Berg Brauerei in Ehingen und das Hopfengut Nr. 20 in Tettnang mit Museum und Gasthof machen Bier zum Erlebnisprodukt.

Alpirsbacher Klosterbräu generiert 35 Prozent der Erlöse durch Gastronomie und Veranstaltungen. Rothaus bietet mit GenussWelt und Hotel ein vollständiges Übernachtungskonzept. Dieser Trend stärkt besonders Braustätten im ländlichen Raum.

Konsolidierung durch Konzerne

Die Paulaner Brauerei Gruppe kontrolliert mit Fürstenberg und Hoepfner zwei traditionsreiche Marken. Die Radeberger Gruppe (Oetker) hält Stuttgarter Hofbräu. Dinkelacker kehrte nach der Übernahme durch InBev in Familienbesitz zurück. Eichbaum durchlief mehrere Eigentümerwechsel, bevor ein Management-Buy-out 2009 die Unabhängigkeit sicherte.

Für B2B-Einkäufer ist die Eigentümerstruktur ein relevanter Faktor: Konzernzugehörigkeit bringt logistische Stärken, kann aber das Versprechen regionaler Authentizität untergraben.

Auswahlkriterien: So bewerten Sie die Braustätten

Drei Kriterien unterscheiden die Brauereiauswahl in dieser Region von anderen Märkten.

Erstens: die Eigentümerstruktur. Baden-Württemberg vereint Staatsbrauereien (Rothaus), Konzernbrauereien (Stuttgarter Hofbräu, Fürstenberg, Hoepfner) und inhabergeführte Betriebe (Berg Brauerei, Alpirsbacher, Waldhaus). Wer regionale Authentizität priorisiert, sollte prüfen, ob eine Brauerei eigenständig braut oder als Lohnbrauer ohne eigene Braustätte arbeitet.

Zweitens: die Brauverfahren. Die offene Bottich-Gärung der Berg Brauerei ist in ganz Deutschland selten. Reinheitsgebot-konforme Produktion gilt als Standard, doch nicht alle Craft-Beer-Betriebe folgen diesem Prinzip. Auszeichnungen wie DLG-Gold (Eichbaum Ureich) oder der Titel beste Craft-Bier-Kleinbrauerei (Berg Brauerei 2020) dienen als belastbare Qualitätsindikatoren.

Jobsuchende sollten die Betriebsgröße beachten. Konzerne wie Stuttgarter Hofbräu bieten strukturierte Karrierepfade, Familienbrauereien wie Alpirsbacher dagegen flachere Hierarchien und breitere Aufgabenfelder. B2B-Einkäufer für Gastronomie können über den Brauerbund Baden-Württemberg und den Verband Private Brauereien BW e.V. Informationen beziehen. Vertriebsprofis im Getränkesektor sollten die Marktanteile kennen: Stuttgarter Hofbräu (5,8 %), Rothaus (5,2 %) und Paulaner (4,0 %) dominieren den Handel, regionale Betriebe beherrschen die Gastronomie.

Welches Unternehmen passt zu Ihnen?

Jobsuchende mit Interesse an Brauhandwerk finden bei der Berg Brauerei in Ehingen oder bei Alpirsbacher Klosterbräu Betriebe mit traditionellen Verfahren wie der offenen Bottich-Gärung. Wer eine Karriere in einem größeren Konzern bevorzugt, sollte Stuttgarter Hofbräu (Radeberger/Oetker) oder Hoepfner (Paulaner Gruppe) in Betracht ziehen.

B2B-Einkäufer in der Gastronomie profitieren von Kooperationsmodellen regionaler Braustätten. Waldhaus, Alpirsbacher und Hirsch-Brauerei Honer bieten Gastronomie-Partnerschaften mit starker regionaler Bindung. Für größere Liefervolumina und nationale Verfügbarkeit eignen sich Eichbaum und Stuttgarter Hofbräu.

Vertriebsprofis und Marktforscher sollten die Gegenbewegung zum Brauereisterben beobachten. Craft-Beer-Betriebe wie Brauwerk Freistil in Tübingen und HopfX Bräu in Tuttlingen wachsen, während der Gesamtausstoß sinkt. Die Bierkulturstadt Ehingen mit fünf unabhängigen Braustätten auf engstem Raum liefert ein Modell für erfolgreiche regionale Positionierung.

Häufig gestellte Fragen

Wie viele Brauereien gibt es in Baden-Württemberg?

Das Bundesland zählt rund 208 Braustätten (Stand 2020). 1996 waren es noch 173. Die Zahl stieg durch Neugründungen von Gasthausbrauereien und Mikrobrauereien, obwohl große Betriebe gleichzeitig an Eigenständigkeit verloren. Branchenverzeichnisse listen etwa 142 aktive Firmen. Landesweite Tourismusportale sprechen von über 200 Haus-, Hof- und Großbrauereien. Rund 1.000 verschiedene Biersorten entstehen in diesen Betrieben.

Welche Betriebe führen das Ranking an?

Nach Absatz führt die Privatbrauerei Eichbaum aus Mannheim. Gemessen am veröffentlichten Umsatz liegt die Badische Staatsbrauerei Rothaus mit 77,66 Millionen Euro (2018) an der Spitze. Im Einzelhandel erreicht Stuttgarter Hofbräu den höchsten Marktanteil mit 5,8 Prozent, gefolgt von Rothaus mit 5,2 Prozent. Dinkelacker-Schwaben Bräu ist Stuttgarts größte Familienbrauerei. Alpirsbacher Klosterbräu kommt auf etwa 200.000 Hektoliter Jahresausstoß.

Welche Brauerei steckt hinter Lidl-Bier?

Die Privatbrauerei Eichbaum aus Mannheim produziert Handelsmarken für Lidl. Lidl vertreibt Bier unter Eigenmarken wie "Perlenbacher" und "Grafenwalder". Diese Marken entstehen im Frankfurter Brauhaus. Rezeptur und Brauverfahren unterscheiden sich von den Marken der jeweiligen Gesellschaften.

Wo konzentrieren sich die meisten Braustätten?

Ehingen, Stuttgart und Karlsruhe führen mit jeweils fünf Standorten. Ehingen trägt seit 2009 den Titel Bierkulturstadt und vereint die meisten Familienbrauereien und unabhängigen Betriebe des Bundeslandes. Ulm, Heidelberg, Freiburg und Aalen folgen mit jeweils vier Braustätten. Regionale Schwerpunkte liegen im Schwarzwald, im Donaubergland, auf der Schwäbischen Alb und im Rhein-Neckar-Gebiet.

Was macht die Bierkultur im Südwesten besonders?

Das Bundesland beheimatet den ältesten Braubetrieb (Fürstenberg, Brauprivileg 1283), die höchstgelegene Brauerei Deutschlands (Rothaus, 1.000 Meter) und das drittgrößte Hopfenanbaugebiet des Landes (Tettnang). Die erste Bierurkunde der Welt stammt aus Geisingen an der Donau (764). Das Spektrum reicht von der Staatsbrauerei über Klosterbrauereien bis zu Craft-Beer-Betrieben. Pilsener hält 40 Prozent Marktanteil, Helles verzeichnet den stärksten Zuwachs.

Welche Braustätten bieten Führungen und Besichtigungen?

Rothaus bietet eine GenussWelt mit Hotel und den Zäpfle-Wanderweg. Alpirsbacher Klosterbräu führt tägliche Brauereiführungen durch und betreibt ein Brauereimuseum. Die Berg Brauerei in Ehingen ermöglicht BierBraukurse mit Einblick in die offene Bottich-Gärung. Hoepfner lädt zu Besichtigungen in der historischen Hoepfner Burg in Karlsruhe ein. Das Hopfengut Nr. 20 in Tettnang verbindet Museum, Brauerei und Gasthof. Zwiefalter Klosterbräu gestaltet den Bierhimmel als Ausflugsziel mit Schaubrauerei.

Methodik

Für dieses Ranking der führenden Brauereien in Baden-Württemberg flossen öffentlich verfügbare Firmendaten, Branchenberichte und Verbandsangaben in die Auswertung ein. Umsatz- und Ausstoßzahlen stammen aus Veröffentlichungen der Betriebe. Marktanteile beziehen sich auf den Lebensmitteleinzelhandel im Bundesland. Die Auswahl berücksichtigt Firmen aller Größen und Rechtsformen, von der Staatsbrauerei bis zur Mikrobrauerei.

Die Datengrundlage umfasst den Zeitraum bis 2026. Nicht alle Braustätten veröffentlichen Finanzkennzahlen; fehlende Werte kennzeichnet die Tabelle entsprechend. Die redaktionelle Bewertung in den Kategorieempfehlungen basiert auf verfügbaren Daten zu Umsatz, Ausstoß, Marktanteil, Tradition und Alleinstellungsmerkmalen der einzelnen Betriebe.

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